| Veranstaltung: | Mitgliederversammlung 26. September 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5.1.1. Quotierte Plätze (6) |
| Antragsteller*in: | Maria-Catharina Brenig (KV Düsseldorf) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.09.2026, 19:04 |
BEW8: Mirca Brenig
Selbstvorstellung
Liebe Freundinnen und Freunde,
Gleichzeitigkeit und Ambivalenz müssen wir als Menschen und als Partei aushalten können.
Ich bin auf dem Land behütet aufgewachsen, katholische Schule, später ein Magisterabschluss in Geschichte – auf dem Papier eine ziemlich gradlinige Bildungsbiografie.
Was gleichzeitig wahr ist: Ich bin die Erste in meiner Arbeiterfamilie, die studiert hat. Single, kinderlos, aktuell auf Jobsuche. Diese Ambivalenz in mir auszuhalten, ist für mich kein abstraktes Konzept aus einem Grundsatzprogramm, sondern Alltag: Persönlich und politisch.
Ende 2024 bin ich bei den Grünen eingetreten. Zeitpunkt und Motivation waren damals ziemlich eindeutig: Ich bin eine Ampelausmaus.
Aus Frust ist bei mir kein Rückzug oder Passivität geworden, sondern das Gegenteil: 2 Wahlkämpfe später saß ich schon in der Bezirksvertretung 3, wurde stellvertretende Fraktionssprecherin und bin zudem Co-Sprecherin unserer Stadtbezirksgruppe. Mitmachen führt zu Selbstwirksamkeit.
Genau diese Erfahrungen, verschiedene Lebensrealitäten gleichzeitig in mir zu vereinen und trotzdem nicht immer Platz für mich zu finden, sind der Grund, warum ich fordere, das politische Silo-Denken hinter uns zu lassen. Das ewige „Wir gegen die" hat den Umgang miteinander viel zu lange vergiftet, nach außen wie nach innen. Das vielbeschworene Aushalten von Gleichzeitigkeit darf keine Floskel bleiben, sondern muss politisch vorgelebt werden, von Menschen, die es tatsächlich tun.
Es ist richtig und wichtig, dass wir unsere urbane, oft wohlsituierte Kernklientel weiter ansprechen. Aber wenn wir unseren eigenen Anspruch ernst nehmen – eine bessere Zukunft für ALLE –, müssen wir unsere Partei auch für alle öffnen. Die Menschen, die als Erstes unter den Folgen des Klimawandels leiden, sitzen nicht in sanierten Altbauwohnungen mit Klimaanlage in den schicken Vierteln. Und wer auf die letzten Landtagswahlen im Bund schaut, sieht: Es reicht längst nicht mehr, nur die akademischen Städter*innen zu erreichen.
Wenn wir von anderen verlangen, ihre Vorurteile abzubauen, müssen wir bereit sein, uns – manchmal schmerzhaft – mit den Vorurteilen gegen uns selbst auseinanderzusetzen.
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Im bevorstehenden Landtagswahlkampf wird es genau darauf ankommen: auf den Unterschied zwischen Stadt und Land, zwischen Arm und Reich, Alt und Jung, den allgemeinen Schutz von Minderheiten und den Blick auf die Zukunft und nicht nur auf das Wahlergebnis.
Wir können nicht ständig fordern, dass sich andere uns gegenüber öffnen, und selbst nicht aktiv genug darum werben, dass Menschen uns ihre Perspektiven mitgeben.
Es gibt in dieser Gesellschaft genug Bringschuld – wir sollten uns endlich unserer Holschuld stellen.
Als Delegierte möchte ich die Chance nutzen, mich innerhalb von NRW zu vernetzen: Über Düsseldorf hinaus, um die Ambivalenzen und die Gleichzeitigkeiten, die es in unserem Bundesland en masse gibt, und die ich selbst mitbringe, in unseren Kreisverband (zurück)zu holen.
Nicht nur im Hinblick auf den bevorstehenden Landtagswahlkampf, sondern auch darüber hinaus.
Es reicht einfach nicht mehr, den Blick nur auf die eigene Wohlfühlbubble zu richten – wir müssen ihn weiten.
Wenn wir unsere Selbstrepräsentation nicht ändern, wird sich die Außenwahrnehmung nicht ändern.
Wenn wir unsere Demokratie bewahren möchten, müssen wir sie nicht nur verwalten oder für sie kämpfen, sondern endlich wieder Begeisterung für sie hervorrufen.
Auch ich fühle ich mich in unserer Partei nicht immer vollständig repräsentiert, aber am Ende des Tages passt das Wertekorsett.
Darauf kommt es an – auf das, was uns verbindet, nicht auf das, was unsere Lebensläufe unterscheidet.
Über euer Vertrauen würde ich mich sehr freuen.
Merci
Mirca
- Alter:
- 45
- Geschlecht:
- weiblich
- Geburtsort:
- Viersen
- Stadtbezirksgruppe:
- 3
Unterstützer*innen
- Daniela Welk
- Michael Kupiec